Eine integrierte Kamera gehört heute fast zum Standard eines Handys: Von vielen als unnötig belächelt, von anderen als stets griffbereite Knipskiste geschätzt. Doch kann eine Handykamera eine Digitalkamera ersetzen? Fassen wir uns kurz: Nein.
Und das sagen wir nicht, wie wir Ihnen auf unserer Schwesterseite http://www.die-digitakamera.de gerne eine richtige Kamera anbieten möchten, sondern weil ein paar ganz simple Gründe dafür sprechen. Allein die Größe, die das winzige Kameramodul in einem modernen Handy einnimmt, kann mit der Optik einer "großen" Kamera nicht mithalten: Einer der wichtigsten Faktoren ist, wieviel Licht vom Objektiv eingefangen werden und die Sensoren des Bildwandlers erregen kann. Je größer diese Lichtmenge ist, desto schärfer und detailreicher kann ein Motiv abgebildet werden, ohne dass es in einem allgemeinen Rauschen untergeht.
Die meisten Handy-Kameras mit Auflösungen unter 2 Megapixel verfügen über lichtschwache Fixfokus-Objektive, die einen festen Schärfebereich von etwas über einem Meter bis unendlich aufweisen. Anspruchsvolle Aufnahmen sind damit nicht möglich. In den größeren Auflösungsklassen werden zunehmend Autofokus-Objektive verwendet.
Die Qualität dieser "besseren" Handy-Kameras ist vergleichbar mit der herkömmlicher Digitalkameras vor rund fünf Jahren. Die Belichtung der lichtschwachen Kleinstobjektive ist die zentrale Problemzone: Das hohe Grundrauschen wird von der Kamerasoftware rigoros glattgebügelt, so dass feine Details der digitalen Glättung zum Opfer fallen. Helle Objekte überstrahlen schnell, dunkle Partien saufen allzu gerne im einheitlichen Dunkel ab. Die Randbereiche zeigen häufig Abschattungen, Verzerrungen und Unschärfe. Kamerahandys verfügen zudem über keinen optischen Zoom – dafür ist schlichtweg zu wenig Platz. Auch bieten nur sehr wenige Handys einen Blitz, der seinen Namen auch verdient. Wenn überhaupt, dann sind in der Regel nur besonders helle LEDs eingebaut, die einen Bereich von maximal zwei Metern auszuleuchten vermögen. Die wenigen Geräte mit Xenon-Blitz lassen sich noch an einer Hand abzählen.
Mit den meisten Kamerahandys lassen sich auch Videosequenzen aufzeichnen. Auch hier bleibt die Qualität weit hinter der einer richtigen Videokamera zurück, wobei das Spektrum noch weiter auseinander driftet, als bei der reinen Fotofunktion. Während bei den einfachen Modellen Aufnahmen nur in Briefmarkengröße möglich sind und jede Bewegung in ein zappeliges Mosaik entartet, bieten die Top-Modelle zumindest für die kleinen Bildschirme eine akzeptable und flüssige Wiedergabe.
Das ist zumindest das ungeschönte Fazit aus Sicht der Digitalfotografie. Für Urlaubsfotos sollten Sie sich daher lieber eine separate Kamera zulegen. Für Schnappschüsse zwischendurch sind die Kamerahandys jedoch in jedem Fall geeignet – schon allein weil man sie fast immer dabei hat. Da lässt sich auch über die eine oder andere Schwäche hinwegsehen.